Über die Präsenz.

Auf einen Schlag wurde es still im Raum. Das Klappern von Tellern und Besteck verstummte, die Unterhaltung brach ab, als hätte man sie durchgeschnitten, und man hörte nur noch diese eine klare und doch so wundersam wandelbare Stimme. Sie imitierte einen näselnden Bürokraten des britischen Hofs, der die Formalien erklärte, unter denen man von der […]

Über die Fehlerkorrektur.

Als die Kugel in den Erdwall rauscht, keine dreißig-vierzig Zentimeter rechts an mir vorbei, gucke ich erst mal interessiert hinterher. 357 Magnum, die reißt einem ja doch ganz schöne Löcher in den Bauch. „Hoppala!“ sagt der Manni freudig. „Ja, da schau her!“ Ich schenke ihm einen müden Blick. „Langsam könntest das mal lassen.“ Immerhin war´s […]

Über die Realitätsprüfung.

„Bei uns ist die Kacke am Dampfen.“, sagt der Personalchef. „Aber ganz gewaltig. – Ich brauch ´ne externe Meinung.“ „Kriegen Sie“, sage ich, „aber nur ungeschminkt.“ „Ich bitte darum.“ Auch Personaler schlafen manchmal. Anders lässt sich nicht erklären, was in dem Unternehmen passiert ist: Die neun Mitarbeiter der Versandabteilung haben zwei gewählte Sprecher zum Personalchef […]

Über die Aggressionsverschiebung.

Dem Flüchtling, so viel ist bekannt, wird praktisch alles hinten reingeschoben. Und das ist wahr, denn was man überall hört, kann nicht falsch sein. Sie bekommen kostenlos eine Wohnung. Sobald sie drin sind, fressen sie uns alles weg, nehmen uns unsere Frauen weg, stehlen – das machen sie ganz besonders gerne – alten Frauen die […]

Willy´s erste Reaktion.

Willy war echt eine arme Sau. Er hatte etwas Verstörtes an sich, etwas zutiefst Traumatisiertes, etwas Immer-irgendwie-Abwesendes, das ihn wie ein verlorenes Kind herumlaufen ließ. Die fast gürtellange blonde Mähne und die bestickten Jeans mit dem breiten Gürtel und der Riesenschnalle, die in auffälligen weißen Cowboystiefeln steckten, verliehen ihm etwas Schräges. Etwas, das nirgends so […]

Überlegenheit und Schwäche.

„Sie machen mir gleich mal einen Zeitplan!“, sagt der Herr Geschäftsführer. Er hat sich auf die Couch platziert, mich kritisch gemustert und befehlsgewohnt Kaffee bestellt. „Nö.“, sage ich. „Wie bitte?“ „Ich bin nicht Ihr Angestellter.“ „Ich bezahle Sie!“ „Nicht dafür, dass ich pariere. Das schminken Sie sich gleich mal ab.“ „Ja, was ist denn das?!“ […]

Über die Hilflosigkeit eines Coaches.

Die Dame hatte mich in einem Rundfunkinterview gehört, als sie mich anrief und um einen Gesprächstermin bat. Zum vereinbarten Zeitpunkt meldete sie sich dreimal aus der U-Bahn, sie sei unterwegs und in wenigen Minuten da, und schließlich erschien sie mit zwanzig Minuten Verspätung. Eine hübsche Frau Anfang der Vierzig, gepflegt, mit sympathischer Ausstrahlung. Beim Eintreten […]

Republik und Verblendung.

Die Wenigsten werden es noch wissen: Diese Republik war einmal auf einem ganz anderen Weg. Nach den Restaurationsjahren der Adenauerschen Kanzlerschaft, in denen ein Politiker, der selbst von den Nazis gejagt worden war, ausgerechnet diese wieder zu Tausenden in staatliche Positionen gehievt hatte, waren immer mehr Fragen laut geworden: Ob dies der Staat sei, den […]

Narzissmus und Niedergang.

Nicht, dass man ihn nicht sympathisch finden konnte, er hatte ja seine weichen und gewinnenden Seiten. Aber eben auch diese unglaubliche, gönnerhafte Überheblichkeit, die einem Dreißigjährigen schlicht nicht zustand. Vor allem, wenn ihr wesentlicher Zweck darin bestand, andere kleinzumachen. – Doch jetzt war er nun mal der Boss. „Wenn mein eigener Sohn mir das so […]

Über das Verzeihen.

Boris´ Finger zittern so, dass er kaum die Kaffeetasse halten kann. Sein Hausarzt hat ihn erst mal krankgeschrieben, nachdem er im Job zusammengeklappt ist. – Kein Wunder, nach dem Ding, das Nadja ihm verpasst hat. Natürlich, wie bei verheirateten Frauen nicht gerade selten, hat sie ihn kalt erwischt. Und nun sitzt er da, das Handy […]

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