Wie Hass vergiften kann.

Den Neujahrsabend 1981 verbrachte ich in Lappland, bei -42°C irgendwo ganz tief und verlassen in der Taiga südlich von Ivalo. Eine hübsche junge Finnin namens Hilkka hatte mich eingeladen in eine Art Ferienhütte, ganz tief versteckt in der vor Kälte klirrenden Nachtlandschaft, wo eine Gruppe von Nordländern mich gastfreundlich in ihrem Kreis aufnahm. Ich war teils erfreut, teils befangen, an diesem verlassenen Flecken Erde.

Als eine Art Verwalter fungierte ein alter Saame, der in einem kleinen Holzhaus nebenan wohnte. Er hatte ein Feuer entfacht aus zwei aufeinander gelegten Birkenstämmen, die er seitlich mit Pflöcken stabilisiert hatte, damit der obere Stamm nicht herunter rutschen konnte. Das Feuer entzündete man zwischen den Stämmen, so dass der obere nach oben brannte und der untere nach unten. Auf diese Weise übernachteten die Saamen bei Tiefsttemperaturen im Freien. Sie legten sich Rentierfelle neben das Feuer, die sie gegen die Bodenkälte isolierten, und deckten sich mit weiteren Fellen zu, während sie ihren Kopf mit Pelzmützen schützten.

Alles ging gut, bis ich zu jemandem halblaut „Danke schön!“ sagte. Da fuhr der Alte neben dem Feuer in die Höhe, musterte mich voller Hass und schrie etwas von einem „Saksaman“, ein Schimpfwort für die Deutschen. Anschließend überschüttete er mich mit einer solchen Kanonade übelster Beleidigungen, dass den anderen Finnen die Gesichtszüge entgleisten. Er versuchte, auf mich loszugehen, wurde jedoch festgehalten und irgendwie beruhigt. – Wie ich später erfuhr, hatte ein SS-Mann ihm beim Abzug der Deutschen aus Finnland den rechten Arm zerschossen, so dass er alle Deutschen abgrundtief hasste. Meine Versuche, mit ihm einen positiven Kontakt herzustellen, scheiterten kläglich und steigerten seine Tiraden.

Als das neue Jahr anbrach, war er sturzbetrunken. Während alle einander ein gutes 1982 wünschten, torkelte er umher, und als er mich sah, riss er seinen „Pukko“, sein Finnenmesser heraus und stürzte sich auf mich. Ich konnte ihm reaktionsschnell ausweichen, und schon warfen sich einige Finnen dazwischen, entrissen ihm das Messer und brachten ihn zurück in sein Haus. Gerade 31jährig, grübelte ich betroffen, ob es einen Ort auf der Welt gab, wo die glorreiche deutsche Wehrmacht zur Abwechslung mal keine Schweinereien begangen hatte.Doch wenigstens mit Hilkka endete der Abend sehr angenehm. – Das Bild mit dem Feuer zeigt den Alten neben den brennenden Birkenstämmen.

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